Freelancer-Stundensatz kalkulieren: So finden Sie Ihren Einstiegspreis
Serie „Freelancer werden!“ · Teil 2 von 5
„Was ist Ihr Stundensatz?“ Das erste Projektgespräch läuft gut, jetzt geht es um Ihr Honorar. Mit einer eigenen Kalkulation können Sie diese Frage selbstbewusst beantworten.
Dafür brauchen Sie zwei Perspektiven: Was soll Ihr Geschäft erwirtschaften? Und welchen Preis können Sie für Ihre Erfahrung und den konkreten Auftrag vertreten?
1. Bestimmen Sie Ihr jährliches Umsatzziel
Beginnen Sie beim gewünschten verfügbaren Einkommen. Ergänzen Sie Betriebskosten wie Software, Hardware, Buchhaltung und Versicherungen. Berücksichtigen Sie außerdem Steuern, persönliche Absicherung und Altersvorsorge. Auch die niederländische Handelskammer KVK baut ihre Kalkulation aus diesen Bestandteilen auf.
Planen Sie zusätzlich finanziellen Spielraum für Rücklagen und Investitionen ein. Lassen Sie den Steuer- und Vorsorgebedarf passend zu Ihrem Land und Ihrer Situation prüfen. Achten Sie dabei darauf, jede Position nur einmal einzurechnen.
Das Ergebnis ist Ihr Umsatzziel ohne Umsatzsteuer – nicht Ihr persönliches Nettoeinkommen.
2. Rechnen Sie mit abrechenbarer Zeit
Urlaub, Weiterbildung, Kundengewinnung und Verwaltung gehören in Ihre Jahresplanung. Entscheidend ist deshalb nicht, wie viele Stunden Sie arbeiten können, sondern wie viele davon Kunden bezahlen. Die Gründerplattform betont: Dieser Anteil hängt vom Geschäftsmodell ab und lässt sich nicht pauschal festlegen.

Ein frei gewähltes Planungsbeispiel: Nach Urlaub, Feiertagen und einer Ausfallreserve bleiben 200 Arbeitstage mit jeweils acht Stunden. Von den 1.600 Stunden reservieren Sie 400 für nicht abrechenbare Aufgaben und Projektlücken. Übrig bleiben 1.200 abrechenbare Stunden.
Ersetzen Sie diese Annahmen durch Ihre eigene Planung – und später durch Ihre tatsächlichen Erfahrungswerte.
3. Berechnen Sie Ihren kalkulatorischen Zielsatz
Die Grundidee ist einfach: Verteilen Sie den benötigten Umsatz auf die tatsächlich abrechenbaren Stunden. Auch das Existenzgründungsportal stellt bei der Preiskalkulation auf die möglichen Produktivstunden ab.
Jährliches Umsatzziel ÷ abrechenbare Jahresstunden = kalkulatorischer Stundensatz
Angenommen, Ihr vollständig kalkuliertes Umsatzziel beträgt 96.000 Euro:
| Abrechenbare Stunden pro Jahr | Erforderlicher Stundensatz |
|---|---|
| 1.200 Stunden | 80 Euro |
| 1.000 Stunden | 96 Euro |
Beide Werte sind Rechenbeispiele ohne Umsatzsteuer, keine Marktpreise. Sie zeigen, wie stark Ihre Auslastung den benötigten Satz beeinflusst.
4. Gleichen Sie Ihre Zahl mit dem Markt ab
Ihre Kalkulation beschreibt Ihr wirtschaftliches Ziel. Für das Angebot kommen vergleichbare Honorare sowie Angebot und Nachfrage hinzu – ebenfalls zentrale Kriterien der KVK.
Unser Vorschlag: Vergleichen Sie Projekte mit ähnlicher Rolle, Verantwortung, Spezialisierung und ähnlichem Arbeitsmodell. Sprechen Sie mit Recruitern und erfahrenen Freelancern über genau diese Konstellation, statt einen allgemeinen Durchschnitt zu übernehmen.
Neu in der Selbstständigkeit bedeutet nicht neu im Fachgebiet. Knüpfen Sie an die Projektbeispiele aus Teil 1: So verkaufen Sie sich richtig an: Welche Erfahrung bringen Sie für diesen Auftrag mit?
5. Machen Sie Ihr Honorar verständlich
Vereinbaren Sie, welche Leistungen und zusätzlichen Kosten Ihr Satz umfasst. Die KVK empfiehlt ausdrücklich, beispielsweise Reisekosten vorab zu klären.
Eine mögliche Formulierung:
„Für den besprochenen Aufgabenbereich berechne ich [Betrag] Euro pro Stunde, zuzüglich gegebenenfalls anfallender Umsatzsteuer. Den Leistungsumfang und mögliche Reisekosten halten wir im Angebot fest.“
Ihr nächster Schritt: Notieren Sie Umsatzziel, abrechenbare Stunden und einen begründeten Angebotspreis. Prüfen Sie nach den ersten Projekten, welche Annahmen tatsächlich passen.
Ihr Stundensatz muss nicht für immer feststehen. Er sollte zu Ihrem Geschäft passen – und zu der Arbeit, die Sie für Ihre Kunden leisten.
Weiter in der Serie: Teil 3: Erste Kunden als Freelancer gewinnen